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Camino Corona Teil 1

Warum? Was ist der ausschlaggebende Grund für den Camino in diesen Zeiten? Wir sind mitten in der 2. Corona Welle, aus Spanien kommen Horrornachrichten und ich mache mich just in dieser Zeit auf, den Camino Frances zu gehen. 

Ich informiere mich und stelle fest, Abstand und Maske sind in Corona-Zeiten entscheidend. Da macht der Ort keinen Unterschied.

Und warum den Camino im Oktober? Warum nicht, möchte ich sagen! Den Stein des Anstoßes hat wohl bei, wie bei so vielen vor mir, Hape Kerkeling gegeben. Seit dem hat mich das Thema oder wie man heute sagt: „Projekt“ nie wieder losgelassen.

Was dann in einem passiert ist schwer zu erklären. Am zutreffendsten kann man es wohl die innere Stimme nennen. Die wird immer lauter und gleichzeitig kommen viele kleine Hinweise von außen, die wenn man sie bemerkt, einen unablässig daran erinnern, dass es doch nun mal bitte langsam Zeit wird. Ausreden gibt es schließlich immer und viele und vermeintlich wichtige dazu.

Letzte Woche dann habe ich alle zweifelnden Gedanken zur Seite geschoben, die weiße Flagge gehisst, meine Frau ins Bild gesetzt (die seit Wochen von meinem Überlegungen wusste), und das Ticket gekauft. Der Plan ist, nach Pamplona zu fliegen und von da aus mit dem Bus nach St Jean-Pied-De-Port zu fahren. Der Abflugtag ist mein 50. Geburtstag und somit mein persönliches Geburtstagsgeschenk von mir an mich, bittesehr.

Gegen 12 Uhr hebt der Flieger ab vom Düsseldorfer Flughafen, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Über Madrid geht es nach Pamplona, einem Flughafen, der so klein ist, dass der Flieger nach der Landung in aller Gemächlichkeit wieder die ganze Strecke auf der Landebahn zurückfahren muss.

Mit dem Taxi (mehr war dem sehr wichtig dreinschauenden aber nicht englisch-sprechenden Commandante nicht zu entlocken) geht es dann zum Busbahnhof und in mir höre ich diese leise Stimme, die sagt, ob ich den Taxifahrer nicht mal fragen sollte, was eine Fahrt nach St Jean-Pied-De-Port kosten würde. Nichts da, erwidere ich, es wird Bus gefahren.

Das Taxi bringt mich also in die Stadt in die betonierten Tiefen des Busbahnhofes und dort stehen schon eine ganze Reihe Leute vor dem Ticketverkauf. Auf der anderen Seite eine wichtige, blond gefärbte Mittvierzigerin, umringt von drei Kollegen, die in Sachen Arbeitstempo sicherlich noch einiges an Potential hätte.

Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit an der Reihe bin und mit einer Mischung aus Englisch, Spanisch und Französisch mein Reiseziel versuche zu artikulieren, bekomme ich nur ein kurzes „no“ und den Fingerzeig von allen hinter der Scheibe, zum Schalter nebenan zu gehen. Dort tut man ganz erstaunt: St. Jean-Pied-De-Port? Da fährt kein Bus hin! Daraufhin zeige ich auf eines von drei großen Plakaten, das an ihrem Glaskasten hängt und eben diesen Ort in großen Lettern als Endziel ausweist. Sie zuckt mit den Schultern und meint mit Fingerzeig, ich solle zur Info gehen, der Glaskasten um die Ecke. Auch dort nur Schulterzucken. Im Angebot hat die junge Frau alternativ die morgige Fahrt zu Grenze und dann mit dem Taxi weiter. Das klingt umständlich ...

Jetzt stehe ich hier in den Tiefen der Stadt und bevor es richtig losgeht, hat Pamplonas Busgesellschaft beschlossen, die Dinge erstmal kompliziert für mich und meinen Camino zu machen. Da fällt mein Blick auf die drei Taxis am Taxistand und spontan gehe ich rüber. Was eine Fahrt nach St Jean-Pied-De-Port kostet? Blöd, wenn die drei kein Wort Englisch können. Jeder zeigt auf den anderen und es ist nicht ganz so leicht, Ihnen einen Preis zu entlocken. Aber ich zeige ihnen auf dem Handy mein Gegen-Angebot und einer der Drei schlägt dann doch lachend ein.

Wir heizen los, eine wilde Fahrt beginnt durch die Stadt raus in die Berge und da wir beide nicht die Sprache des anderen sprechen ist es eine flotte ruhige Fahrt bis der leere Tank sich meldet.

No es normal höre ich nur den Fahrer und meint wohl, dass in seiner heutigen Planung nicht vorgesehen war. Er schaltet seinen Toyota auf Akku um und wir beide schauen in den kommenden Kilometern gebannt auf das Absinken der Batterie.

Es geht über Serpentinen durch die Wälder, höher und höher. Und endlich: An der Grenze freut er sich riesig, als er doch noch im dritten Anlauf eine offene Tankstelle findet.

Im Saint-Jean-Pied-de-Port lässt er mich raus und gibt Sporen für die Heimfahrt. Ich gehe durch einen nahezu ausgestorbenen Ort zum Hotel. Hier empfängt mich Madame und gibt mir die Schlüssel für mein Zimmer. Ich komme mit dem Rucksack kaum die schmale Treppe hoch und schließe auf. Bettmatratze ist gut aber wo ist das Fenster? Ich schaue zur Decke und finde die Luke.

Es bleibt nur die Flucht und draußen suche ich In der Dunkelheit in dem alten, verwinkelten Ort nach einem Wirtshaus und in einer kleinen Seitengasse werde ich fündig. Bloß reinkommen ist nicht so leicht. Es öffnet sich mit lautem Gedöns immer nur die obere Hälfte der alten Tür. Und jedesmal schauen die Gäste irritiert auf mich und ich auf sie bis die Kellnerin kommt und dem Spiel ein Ende bereitet.

Drinnen bekomme ich die Menüs aufgezezeigt und ich entscheide mich zur Feier des Tages für das Rinderfilet, glaube ich zumindest. Bis die Kellnerin eine überdimensionale Blutwurst vor mir auftischt. Merke: Das mit den Fremdsprachen muss besser werden. Es schmeckt und nach einem kleinen Verdauungsgang geht es ins Bett, da am nächsten Tag Großes ansteht.